Welche Faktoren wirken sich auf gute „Maintainability“ aus, also den Zustand, dass sich eine Website mit wenig Aufwand reparieren, aktualisieren und weiterentwickeln lässt?
Wir haben an anderer Stelle unseren Prozess für Fixes und Iteration beschrieben. Mindestens genauso entscheidend ist die Basis, die bei der Neuentwicklung oder dem Relaunch einer Seite gesetzt wird. Das sind unsere Erfahrungswerte.
Designsysteme? Mögen wir.
Beim Button geht’s schon los: Ein robustes Designsystem ermöglicht, Websites einfacher zu erweitern und eine konsistente Visualität auf unterschiedliche technische Systeme zu übertragen.
Fluide Typografie für brueder coop
Wir definieren dafür in figma sogenannte design tokens (also Spezifikationen für Farbflächen, Schriftgrößen und Abstände), auf deren Grundlage Komponenten, Module und Templates aufgebaut sind.
Auf die Maintainability zahlen auch Konzepte wie ein fluides Schriftsystem ein – weil es die kleinteilige Schriftkonfiguration für eine Vielzahl von Viewports durch eine fließend skalierende Verhältnisrechnung ersetzt.
Kudos an Brad Frost, dessen Atomic Design Principles uns schon lange begleiten und Jina Anne für die „subatomare“ Token-Ebene.
Prinzipien für den Modulbaukasten
Ein Pagebuilder ermöglicht, dass ein Redaktionsteam Unterseiten einfach und flexibel selbst aufbaut. Ein guter Modulbaukasten spart extrem viel Arbeit.
Unsere Prinzipien bei der Konzeption:
- klare funktionale Trennung – etwa zwischen Teasern, Content-Modulen und Formularen
- flexibler Einsatz – wenn möglich wird kein Modul nur für ein Template konfiguriert
- so wenige Module wie möglich – für Konsistenz und einfaches Handling
Viele Websites kommen mit weniger als zehn Modulen im Pagebuilder aus, die sich dann je nach Template visuell unterscheiden können. Unser Prozess startet mit der brueder frontend component library – darauf aufbauend entwickeln wir passende Baukästen je nach Anforderungen des Projekts.
Die Freude an der Schnittstelle
Wir finden Schnittstellen super: Sie ermöglichen, dass eine Website ihre Kernfunktionen erfüllt, während spezifische Features in andere Systeme ausgelagert werden. Am Anfang eines Projekts steht für uns ein Tech-Audit, um festzustellen, welche Umgebungen (etwa Microsoft 365 oder Google Workspace) und Tools schon vom Team verwendet werden.
Wenn man in der Sidebar eines CMS scrollen muss, läuft was falsch.
Jede Integration und jedes Plugin eines Drittanbieters bringt zusätzliche Security-Risiken und Maintenance-Aufgaben mit sich. Wir orientieren uns an diesen Faustregeln:
- Stabiler Kern: Zentrale Website-Funktionen werden unabhängig von externen Diensten mit Core-Features des CMS umgesetzt – etwa Navigation, Darstellung von Content, essenzielle Funktionen
- Komplexität auslagern: Für Funktionen mit komplexen Prozessen, zum Beispiel Einladungs- oder Audience-Management, Social Features oder Support-Prozesse – gibt es gute, etablierte Lösungen. Hier lohnt sich in den seltensten Fällen eine Eigenentwicklung.
- Safety first: Wir setzen etablierte Plugins und Tools ein, die Datenschutz und Security ernst nehmen.
Kleiner Schnellcheck: Wenn man in der Sidebar seines CMS scrollen muss, läuft was falsch.
Nicht ohne mein Repo
Grundsätzlich leben bei uns alle Website-Projekte im eigenen Git-Repository, das per Auto-Deployment mit den verschiedenen Hosting-Umgebungen verknüpft ist.
Änderungen an der Website werden in einer Entwicklungsumgebung auf unserem Dev-Server getestet. Anschließend wandern sie ins Testsystem auf dem Kund:innen-Server. Wenn alles läuft, deployen wir ins Produktivsystem.
Über das Git-Repo läuft auch unser Ticketsystem, in dem wir Bugreports oder Feature Requests dokumentieren. So sind Änderungen von der ersten Meldung bis zur Anpassung im Code nachverfolgbar.
Letzter Punkt: Feedback hilft
Meistens gibt es direkt nach dem Launch einer Seite viel Feedback aus dem Team oder von Partnern. Wir haben gute Erfahrungen mit internen Soft-Launches gemacht. Das spart Testing-Aufwand für das Kernteam und ermöglicht, Feedback positiv im Prozess zu nutzen.
Nach einiger Zeit nehmen Rückmeldungen in der Regel stark ab. Es hat sich trotzdem bewährt, aktiv Feedback-Möglichkeiten anzubieten, etwa für die Meldung von Bugs oder Problemen bei der Barrierefreiheit.
Der „?“-Button im Layout-Generator von Die Linke öffnet ein Dialogfeld – das beim Absenden gleich System- und Browser-Specs mitschickt.
Wenn ich an alles gedacht habe … warum brauche ich dann noch Maintenance?
Dafür gibts einen Haufen Gründe – ein paar haben wir hier zusammengestellt. Mit dabei: Security Updates und geänderte technische Anforderungen, neue Gesetze oder Anwenderprobleme. Vielleicht geht’s auch mal um ein nices, neues Feature.
Fakt ist: Für die langfristige Performance einer Website – und damit auch die Zufriedenheit der Menschen, die sie nutzen – ist Maintenance ein entscheidender Schritt im Prozess.
Noch Fragen? Melde dich: info@diebrueder.com