Mal ging es um Farbkontrast, mal um leichte Sprache, mal um die Headline-Struktur auf einer Website: Das Thema digitale Barrierefreiheit begegnet uns schon seit einiger Zeit in Projekten. Oft tauchten die Anforderungen spät im Prozess auf, verbunden mit einem Gefühl von Unsicherheit auf Kundenseite und auch bei uns.
Wir haben uns deshalb seit vergangenem Herbst regelmäßig zusammengesetzt – mit der Idee, das Thema Accessibility besser zu verstehen und in unseren Abläufen zu verankern. Hier sind einige Gedanken, die uns auf dem Weg begleitet haben.
Barrierefreiheit zwingt zu good practice in Design, Code und Content
Im Kern geht es aus unserer Sicht darum, dass möglichst viele Menschen digitale Angebote sinnvoll und komfortabel nutzen können. Was ja eine hervorragende Idee ist, sowohl für die Nutzenden als auch für Website-Betreiber:innen, die auf diese Weise mehr Menschen erreichen.
Wir haben erstmal bei uns selbst angefangen, den intensiven Crashkurs von Sara Soueidan absolviert und einen a11y weekly etabliert. Parallel füllte sich ein figma-Board mit Screenshots von alten Website-Komponenten, die im Angesicht von Screenreadern und Kontrast-Checkern kein gutes Bild abgaben.
Die positive Erkenntnis aus dem Schritt: In vielen Fällen geht es bei den Barrierefreiheits-Anforderungen eigentlich um good practice digitaler Produkte. Um verständliche Inhalte, Klarheit im Design und guten, semantischen Code. Teilweise auch darum, Dinge insgesamt etwas “einfacher” zu gestalten – und auf den Multimedia-Slider zugunsten einer Darstellungsform zu verzichten, die für alle Nutzer:innen funktioniert.
Barrierefreiheit von Anfang an mitdenken: Komponenten im bruesource Wireframing-Kit mit relevanten a11y-Annotationen im dev-Mode.
An vielen Stellen ist Barrierefreiheit ein Schnittstellenthema – und erfordert Expertise sowohl in Redaktion als auch in Design und Development. Im Prinzip tauchten Barrierefreiheits-Anforderungen in jedem Schritt unseres Digitalprozesses auf – von der Auftragsdefinition über Informationsarchitektur und UI/UX-Design, Development und Contentproduktion bis zu Testing, Übergabe und Schulung von Kund:innen.
bruesource Toolbox: Wireframing-Kit & Frontend-Component Library
Wir setzen jetzt bei neuen Projekten ein Briefing-Modul zum Thema Barrierefreiheit ganz an den Anfang des Prozesses, wenn auch technische Rahmenbedingungen geklärt werden. Zum einen um mögliche Anforderungen früher mitzudenken – aber auch um Kund:innen zu sensibilisieren und besser mitzunehmen. Denn oft fallen auch für die beteiligte Redaktion große Aufgabenpakete an, wie das Erstellen von Untertiteln oder neuen Skripten für Videos oder von Alt-Texten für Bilder und Grafiken.
Ausgangspunkt für die Konzeption ist das überarbeitete bruesource Wireframing-Kit in figma, das eine Reihe geprüfter Standardkomponenten enthält. Infos zur Hierarchie von Elementen, Fokus-Reihenfolge oder Content für Alt-Texte und Aria-Label sind darin bereits vermerkt (unser Startpunkt war hier das sehr gut dokumentierte a11y annotation kit).
Dem gegenüber steht auf Dev-Seite die bruesource Frontend-Component-Library, ein ausgiebig getesteter Baukasten ungestylter Frontend-Module, die strukturell den Komponenten aus dem Wireframing-Kit entsprechen.
Miau: Module in der bruesource Frontend-Component-Library.
Die Überlegung ist, auf diesem Weg einen fließenderen Übergang zwischen Wireframe, visuellem Prototypen und Development herzustellen. Gleichzeitig bleiben bei der visuellen Gestaltung der Komponenten weiterhin hohe Freiheitsgrade erhalten – da das Styling für jedes Produkt individuell angepasst werden kann. Auch Custom-Komponenten sind möglich, mit entsprechendem Mehraufwand im Testing.
Workshops und Austausch
Wir hatten zuletzt die Gelegenheit, einige bestehende Websites zu auditieren und zu überarbeiten – und ein paar Projekte auf Grundlage der neuen Toolbox umzusetzen. Gerade arbeiten wir ein paar Basis-Workshops für Kund:innen aus, um die Übergabe von Websites besser begleiten zu können – oder das erstellen barrierefreier Dokumente. Im Blog gibt es auch einen ersten Einstieg ins Thema Barrierefreiheit für Projektmanager:innen auf Kund:innenseite.
Nach wie vor lernen wir ständig dazu. Falls du dich mit Accessibility gut auskennst, ein Spezialgebiet hast, selbst testest oder umsetzt – schreibt uns gern eine Mail. Wir freuen uns immer über Austausch und neue Kontakte. Du kannst auch den Newsletter abonnieren, über den wir immer mal wieder aktuelle Dinge teilen.